Sonntag, 19. November 2017
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Das Feuerlöschwesen in Hermannsburg

Ausgang des 19. Jahrhunderts bestand in Hermannsburg eine Pflichtfeuerwehr, die sogenannte Dorfspritze.

Basierend auf der „Feuerordnung für die Bewohner der Flecken u. des platten Landes des Landdrostei-Districts Lüneburg“ und der Lüneburgischen Feuerordnung vom 14. November 1865 hatte auch die Gemeinde Hermannsburg das Feuerlöschwesen geregelt.

Dazu war der Ort in 6 Löschbezirke eingeteilt, die von einem Spritzenmann als Hauptmann geführt wurden. Bei Feuergefahr hatte sich jeder Einwohner in dem betreffenden Bezirk bei seinem Zugführer zu melden. Die Spritze war etwa um 1850 von der Mühlenbruchsgenossenschaft angeschafft, dafür mussten in den Außendörfern unseres Kirchspiels die sieben Spritzenmänner bei Gebäudefeuer immer sofort hin. Die Löhnung erfolgte durch die Mühlenbruchsgenossenschaft. Die übrigen Mannschaften mussten die Dörfer stellen.

Die Notwendigkeit zum Vermitteln von Feuerlöschkenntnissen und auch die Geräteausstattung waren sehr unterentwickelt. Feuerlöscheimer und Feuerpatschen in den Häusern waren nur ein mangelhafter Behelf, zumal auch die Bausubstanz der Gehöfte, Häuser und Nebengebäude sehr feueranfällig war.

Die Wasserverhältnisse zur Entnahme von Löschwasser waren oft unzureichend, wenn nicht manchmal überhaupt nicht vorhanden. Manchmal waren Gräben angestaut, wenn möglich wurde das Wasser aus der Örtze entnommen. Feuerlöschteiche waren selten vorhanden.
Um 1890 waren in Hermannsburg ca. 230 Häuser. Viele davon waren mit Stroh gedeckt oder mit solchen Baumaterialien gebaut, dass sie stark brandgefährdet waren.

Von 1890 bis zum 06. Mai 1893 brannten in Hermannsburg sieben Wohnhäuser ab. In einem Fall soll ein brennendes Stück Speck durch die Luft geflogen und das nächste mit Stroh gedeckte Haus in Brand gesteckt haben. Von dort ist durch Funkenflug das übernächste mit Stroh gedeckte Haus in Flammen aufgegangen.

Bei all diesen Bränden traten wohl die Unzulänglichkeit und die Grenzen der Pflichtfeuerwehr – Dorfspritze zutage.

Aus dieser Sorge heraus und wie man das Hab und Gut besser Schützen konnte, traten Hermannsburger Bürger am 08. April 1893 in Völkers Hotel zusammen und forderten die Schaffung einer Freiwilligen Feuerwehr. Die berechtigte Sorge hatte aber auch der damalige Missionsdirektor Egmont Harms für die Gebäude der Missionsanstalt. Wie konnten die Gebäude geschützt werden, wenn die Zöglinge auf Urlaub waren? ( Zöglinge der Mission = junge Männer die zu Missionaren ausgebildet wurden.)

Gründung und Geschichte der Freiwilligen Feuerwehr Hermannsburg

So lud Missionsdirektor Egmont Harms am 01. Mai 1893 angesehene Bürger Hermannsburgs zu sich in seine Wohnung im neuen Missionshaus ein und hier wurde dann die Freiwillige Feuerwehr Hermannsburg gegründet.

Folgende Personen tragen in der Mannschaftsliste als Datum des Eintritts den 01. Mai 1893. Sie haben also die Wehr mit gegründet:
Schmiedemeister Heinrich Vorwerk, Schmiedemeister Heinrich Dehning, Maschinenmeister Wilhelm Kruse, Schmiedemeister Ernst Böning, Pastor Georg Eickhoff, Buchhändler G. Rieth, Malermeister Ernst Petersen, Buchbinder Ernst Babatz, Zimmermeister Dietrich Eggers, Zimmermeister Ernst Dehning, Landwirt Heinrich Schöndube, Arbeiter I. H. Marwede, Arbeiter Georg Speckhan, Buchbindermeister Wilhelm von Herk, Stellmachermeister Peter Ahrens, Werkführer Wilhelm Lange 1, Schumachermeister Wilhelm Lange 2, Schumachermeister Wilhelm Grünhagen, Schumachermeister Wilhelm Penzhorn, Arbeiter Chr. Riggers, Arbeiter I. H. Kruse, Landwirt Heinrich Cohrs, Buchbinder Heinrich Behrens, Schumachermeister Dietrich Schmidt, Arbeiter Dietrich Alm, Arbeiter Peter Hilmer, Landwirt Georg Leßmann, Tischlermeister Fritz Hüls, Arbeiter Friedrich Tolle und Malermeister Friedrich Hambrock.

Außerdem meldeten sich noch zahlreiche Zöglinge der Missionsanstalt als Mitglieder in der Freiwilligen Feuerwehr.

Kurz nach der Gründungsversammlung brannten, wie schon erwähnt, die drei Häuser Ehlers, Bruns u. Dehning Paulmann. Hier konnte die junge Wehr noch nicht eingreifen, weil die Feuerlöschgeräte fehlten. Aufgrund der vielen Brände waren die Leute jedoch ängstlich geworden. So konnte noch vor Pfingsten 1893 eine kleine Abprotzspritze vom Spritzenfabrikant Tidow - Hannover erworben werden.

Die Freiwillige Feuerwehr war ganz auf sich und auf die Mildtätigkeit der Bevölkerung angewiesen, denn eine Unterstützung seitens der Gemeinde gab es anfangs nicht. Der Vorstand hat oft für angeliehene Gelder persönlich haften müssen und wenn dann die Geldgeber ihr Geld zurück haben wollten und es war nichts da, war der Vorstand in großer Not. Die ersten Anschaffungskosten für Spritze, Schläuche, Uniformen usw. betrugen 2.700,00 Mark. Das Spritzenhaus kostete 2.100,00 Mark. Dem gegenüber standen Einnahmen aus einer Sammlung von 800,00 Mark, die Aachen-Münchner Feuerversicherungsgesellschaft gab 300,00 Mark und die Landschaftliche Brandkasse gab 600,00 Mark. Den größten Teil der Geldmittel hatte die Mission gegeben und so stand ihr das Eigentumsrecht an dem neu erbauten Spritzenhaus und an der Abprotzspritze zu. Zum Teil hat die Wehr die Schulden abgetragen; ein großer Teil wurde aber auch von der Missionsanstalt erlassen.

Im Februar 1897 wurde die zweite Spritze von Tidow - Hannover gekauft. Sie wurde nach 10jährigem Einsatz an die Gemeinde Weesen verkauft. Dafür wurde im Jahr 1907 der Beschluß gefaßt, bei der Firma A. Rönnebeck - Ülzen eine neue größere Spritze für 1.300,00 Mark zu kaufen. Diese Spritze hat bis in die fünfziger Jahre ihren Dienst getan.

Außer der Arbeit im Ernstfalle wurden regelmäßig Übungen abgehalten, zweimal im Jahr gab es einen Alarm, der wesentlich dazu beitrug, die Schlagkräftigkeit der Wehr zu erhalten und zu erhöhen.

Das kameradschaftliche Verhältnis der Kameraden untereinander war immer gut. Ein Kummer des Hauptmanns war stets das unentschuldigte Fehlen von Kameraden bei einer Übung, die dann keine Strafgelder dafür zahlen wollten. Auch meinte der Hauptmann, daß nach Zeiten relativer Ruhe ein gewisser Schlendrian sich einschlich. Dieses Thema hat oft die Generalversammlungen beschäftigt. Wer sich gar nicht einfügen wollte oder seine drei Pflichtübungen jährlich nicht absolviert hatte, wurde aus der Wehr ausgeschlossen.

Der 1. Hauptmann der Wehr, Theodor Bodenstab (Misssionszögling und späterer Missionar), hatte aktiv beim Militär gedient und so gab es auch hier beim Exerzieren und Üben keinen Pardon.

Es wurde eine scharfe Zucht geübt. So ist nachzulesen, dass ein Feuerwehrmann der zweiten Sektion eine Rüge bekommen hat, weil er im Glied gesprochen hat. Ein anderer Feuerwehrmann hat einen ihm gegebenen Befehl nicht ausgeführt. Er musste in der Generalversammlung Abbitte tun. Es wurden aber auch Sektionsführer gerügt, die sich den Untergebenen gegenüber nicht korrekt benommen haben.

Die Wehr bestand aus vier Sektionen; aus der Steigersektion und 3 - 4 anderen Sektionen, die zur Bedienung der Spritze, Schläuche und zu Rettungsarbeiten verwandt wurden.

Die ersten Versammlungen und Feste wurden in der "Singhalle" der Missionsanstalt abgehalten. Dafür musste die Wehr jährlich 10,00 Mark in die Missionskasse zahlen. Später fanden die Versammlungen im Neuen Missionshause statt. Als dann unsere Gastwirte Mitglied wurden, wurden die Versammlungen abwechselnd in deren Lokalen abgehalten.

Die Stiftungsfeste wurden immer mit einer Übung begonnen und der gemütliche Teil in der Singhalle unter Vorführung von Musik und Theaterstücken abgehalten. Später fand der gemütliche Teil immer auf dem Lutterhofe bei der Familie Rabe statt. Daher auch der Name Lutterfest. Der Termin des Stiftungsfestes ist vom 1. Jahr an immer der Tag nach Pfingsten bzw. später der Montag nach Pfingsten gewesen.

Im März 1902 trat die Wehr dem Feuerwehrverband für die Provinz Hannover bei. Aufgrund der "Polizeiverordnung betreffend die Regelung des Feuerlöschwesens vom 27. September 1901" gibt sich die Freiwillige Feuerwehr am 19. September 1902 eine neue Satzung.

Die Freiwillige Feuerwehr kam aus ihren finanziellen Schwierigkeiten nie heraus, neue Geräte wurden angeschafft oder vervollkommnet.

Bei einer Inspektion durch die Brandmeister Müller u. Kommandeur Heinicke aus Celle am 01. September 1909 wurde dann folgender Vorschlag gemacht, um die Wehr auf eine gesunde Basis zu stellen:

  1. Das Dorf übernimmt sämtliche Schulden der Wehr.
  2. Die Gemeinde liefert 200 m neue Schläuche.

  3. Das Dorf übernimmt die ganze Neuanschaffung der Wehr, sowie die Instandhaltung aller Geräte, soweit die Polizeiverordnung solches vorschreibt. Dafür überlässt sie der Gemeinde sämtliche ihr gehörenden Lösch- und Steigergeräte. Ausgenommen hiervon ist nur die der Mission gehörende Abprotzspritze nebst Zubehör. Weiter übernimmt die Freiwillige Feuerwehr für Hermannsburg kostenlos die erste Löschhilfe Innerorts und auch bei Gebäudebränden außerhalb Hermannsburgs. Außerhalb Hermannsburg braucht die Pflichtfeuerwehr nicht mehr anzutreten.


Dieser Vorschlag wird von der Generalversammlung am 06. September 1909 angenommen und am 26. Oktober 1909 vom Gemeindeausschuss Hermannsburg angenommen.

Dadurch wurde die Freiwillige Feuerwehr ihre Schulden mit einem Male los und brauchte notwendige Sachen nur anzufordern.

Die damalige Dorfspritze konnte mit der jungen aufstrebenden Feuerwehr nicht mehr mitantreten, ihre Führer wurden alt und das junge Volk strebte zur Freiwilligen Feuerwehr. So löste sich ihre Mannschaft auf. Am 06. Mai 1913 wurde mit der Gemeinde Hermannsburg die Vereinbarung getroffen, die Dorfspritze mit all ihren Gerätschaften und Spritzenhaus zu übernehmen. Damit wurde das Feuerlöschwesen in Hermannsburg einheitlich. Der Hauptmann der Freiwilligen Feuerwehr war somit Brandmeister von Hermannsburg.

Der erste Präsident der Wehr war Missionsdirektor Egmont Harms, ihm folgte Pastor Max Harms. Der letzte Präsident war Schlachtermeister Heinrich Bartels bis August 1931. Ab diesem Zeitpunkt wird ein neuer Präsident nicht wieder gewählt, der jeweilige Hauptmann der Wehr führt in den Versammlungen den Vorsitz.

Der 1. Weltkrieg brachte auch für die Hermannsburger Feuerwehr einschneidende Veränderungen. Es wurden viele Kameraden zum Militärdienst eingezogen und so musste die Altersabteilung verstärkt wieder mit eingesetzt werden.

In einer Zeitungsmeldung vom Februar 1916 "Hermannsburger Bote" heißt es:

Der Feuerwehr geht es in Bezug auf die Mitglieder noch schlimmer. Sie besteht zur Zeit nur aus 18 Aktiven. Sollte einmal, was Gott verhüten möge, Feuer ausbrechen, so ist es die Pflicht eines jeden Mannes, nicht nur die Brandstätte mit seiner Gegenwart zu beehren, sondern auch tatkräftig zuzugreifen.

 

Herbstübung 1913

10 Kameraden waren gefallen und blieben auf dem Felde der Ehre:

Ernst Herbst, Karl Neumann, Karl Rodehorst, Heinrich Gause, Karl Buhr, Heinrich Lange, Wilhelm Lüchgo, Heinrich Marwede, Wilhelm Völker, Karl Gonsior.

Die Jahre bis 1933 verliefen für die Wehr nun in relativ ruhigen Bahnen. Die Aufzeichnung der Ereignisse ist in der Übersicht der Protokolle nachzulesen.

Das Jahr der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten 1933 brachte auch für unsere Freiwillige Feuerwehr Veränderungen.

Vom Provinzialfeuerwehrführer der Provinz Hannover wurden in Abständen "Führerbefehle" herausgegeben. Sie beinhalteten genau die Führung der Feuerwehren im nationalsozialistischen Sinne. Aus diesem Grunde bekamen sie zum Teil Polizeibefugnisse. Es wurde am 11. April 1934 eine neue Satzung angenommen und die Freiwillige Feuerwehr Hermannsburg als eingetragener Verein beim Amtsgericht Bergen am 26.11.1935 in das Vereinsregister eingetragen.

Lt. Führerbefehl Nr. 5 war die Eintragung nur notwendig, um die Wehren in Körperschaften des öffentlichen Rechts zusammenfassen zu können. Der Vereinszweck ist die Bekämpfung von Feuersgefahren. Der Verein wird im Sinne des Par. 26 BGB durch den Wehrführer oder dessen Stellvertreter als allein zur Vertretung berechtigtes Mitglied vertreten. So schreibt es das Amtsgericht Bergen am 28. November 1935.

Mit Schreiben vom 19. April 1940 schreibt uns das Amtsgericht Bergen:

"Freiwillige Feuerwehr Hermannsburg e.V. in Hermannsburg. Der Verein ist nach Par. 16 der Dritten Durchführungsverordnung zum Gesetz über Feuerlöschwesen (Organisation der Freiw. Feuerwehren) vom 24. Oktober 1939 aufgelöst".

Im Jahre 1935 wird in Hermannsburg der Kreisfeuerwehrtag abgehalten. In einem Schreiben vom 27.9.1935 bedankt sich der Kreisfeuerwehrführer Buchholz auch im Namen des Landrates für die erfolgreiche Durchführung.

Im Schreiben vom 07. März 1938 vom Kreisfeuerwehrführer Buchholz auf Anordnung des Provinzialfeuerwehrführers wird der Hauptbrandmeister Willi Hollborn von seinem Amt als Wehrführer der Gemeinde Hermannsburg abberufen und an seiner Stelle als neuer Wehrführer ernannt der Oberbrandmeister Erich Ahrens. Sein Stellvertreter ist der Brandmeister Heinrich Hornbostel. Als dritter Führer wird Wilhelm Meyer aus Baven bestimmt.

Von 1939 bis Frühjahr 1945 ist wieder Krieg.

Wieder mussten starke Einschränkungen hingenommen werden. Viele Kameraden wurden zum Kriegsdienst eingezogen. Wieder musste die Altersabteilung in die Bresche springen. Aufgrund der trotzdem schwachen Besetzung wurde im Jahre 1943 eine Damenabteilung gebildet. Sie musste nun zum Teil die Aufgaben der Brandbekämpfung übernehmen. Die Bildung ging auf einen Erlas des Reichs- und Preußischen Ministeriums des Inneren vom 21.04.1943 zurück. Hauptsächlich sollte die Heranziehung von Frauen nur in Orten unter 1.000 Einwohnern geschehen. Die Dienstbezeichnung war "Feuerwehrhelferin". Der Ausbilder dieser Gruppe war Willi Hollborn. Sie wurden an der kleinen Motorspritze aber auch an der alten Handdruckspritze ausgebildet. Die Feuerwehr stellte ihnen ihre Arbeitskleidung. Eingesetzt wurden sie einige Male, vor allen Dingen im Jahre 1945. Ihr letzter teilweiser Einsatz war der 15. April 1945. Beim Einzug der Engländer wurden mehrere Häuser in Brand geschossen. Die Häuser konnten nicht gerettet werden, die Löscharbeiten lagen auch immer wieder unter Feindbeschuss. Bei allen diesen "Löschbemühungen" konnte unsere Wehr nur sehr bedingt helfen.

Einige Namen der Damengruppe:

Frau Heine, Celler Straße

Frau Adele Bodmann, Stegebruch

Frau Elfriede Brockmann, Georg-Haccius-Straße Frau Hanna Grünhagen, Georg-Haccius-Straße Frau Lotti Hansen, Georg-Haccius-Straße Frau Elfriede Petersen, Lotharstraße Frau Marta Ritz, Kirchbusch

Frau Anna Dehning, Neidberg

Leider sind über die Damengruppe keinerlei schriftliche Aufzeichnungen gemacht worden. Auch konnten nicht alle Namen ermittelt werden.

Im Versammlungsprotokoll vom 17. April 1943 ist auch von notdienstverpflichteten Personen die Rede. Laut Erlas vom 09.04.1941 der Deutschen Polizei ist angeordnet, die Schlagkraft der Feuerwehren unter allen Umständen zu erhalten. Zu diesem Zweck sind geeignete Volksgenossen ohne Ansehen der Person aufgrund der Notdienstverordnung zum Dienst in der Feuerwehr heranzuziehen.

Leider liegen keine Namenslisten oder Aufzeichnungen aus diesem Personenkreis vor, lt. mündlicher Überlieferung sollen es ca. 50 bis 55 Personen gewesen sein.

7 Kameraden waren im 2. Weltkrieg gefallen:

Heinrich Schöndube, Hermann Ripke, Heinrich Siegmann, Johannes Pieper, Rudolf Brammer, Gottfried Rabe, August Petersen.

 

Obwohl mit dem Kriegsende in Deutschland jede Ordnung zusammengebrochen war, kam schon am 25. Mai 1945 ein Schreiben von Herrn v. dem Busche, Feuerwehrschule Celle, folgenden Inhalts:

Das britische Militär Gouvernement ordnet folgendes an:

Sinngemäß - Unverzüglich ist der Feuerlöschdienst wieder aufzunehmen und die Geräte einsatzbereit zu halten. Allgemeine Anordnung an die Bevölkerung: Jeder ist verpflichtet, besonders im Entstehen begriffene Schadenfeuer zu löschen oder gegebenenfalls dem Bürgermeister zu melden und erforderliche Löschhilfe zu leisten. Zuwiderhandlung wird bestraft.

Auch in Hermannsburg wird die Arbeit wieder aufgenommen.

Leider wurde unser neues im Kriege angeschafftes Feuerwehrfahrzeug einige Tage nach dem Einmarsch der Engländer durch fremde ehemalige Kriegsgefangene gestohlen. In einem Schreiben an das Straßen-Zentralamt des amerikanischen und britischen Besatzungsgebietes wird der Verlust noch einmal gemeldet. Die Besatzung hat den Fall aber nicht weiterverfolgt und das Fahrzeug bleibt verschwunden.

Ende des Jahres 1945 konnte ein liegengebliebener alter Wehrmachts-Pkw Opel-Blitz 3,6 Liter besorgt werden. In Eigenleistung wurde er von unseren Wehrleuten in der Kfz-Werkstatt Ehlers umgebaut und Anfang 1946 bei unserer Wehr in Dienst gestellt. Bestückt mit einer TS 8/8 DKW hat dieses Fahrzeug bis zum Jahre 1956 seinen Dienst getan.

In den nun folgenden und Gott sei Dank noch andauernden Friedensjahren hat die Wehr getreu ihrem Auftrag zahlreiche Einsätze bestanden und sich in Ruhe ausbildenden können.

Herausragende Einsatzjahre waren

die Jahre 1959 mit vielen Waldbrandeinsätzen bedingt durch große Trockenheit,

im Jahre 1972 im November eine große Sturmkatastrophe

im Jahre 1975 die große Waldbrandkatastrophe und

im Jahre 1976 drohte es am 10. Mai im Raum Lutterloh wieder zu einer Katastrophe zu kommen.

Alle diese Einsätze sind in der Übersicht der Protokolle ausführlich beschrieben.

Die Gebietsreform auf Landesebene ab 01. Januar 1973 schloss die Orte des Kirchspiels Hermannsburg zu einer Gemeinde zusammen. Die jeweiligen Gemeindebrandmeister wurden nun Ortsbrandmeister. Aus ihrer Mitte wählten sie den Gemeindebrandmeister. Dieses wurde der Wehrführer des Ortes Beckedorf, der Kamerad Heinrich Koch.

Damit lösten sich die bisherigen Unterkreise auf.

Die Ortsfeuerwehr Hermannsburg ist heute eine Stützpunktwehr. Das Arbeitsfeld der Einsätze verlagert sich immer mehr auf die technische Hilfeleistung bei Verkehrsunfällen. Um hier tatkräftige und schnelle Hilfe leisten zu können, erfordert es einer guten Ausstattung mit dem nötigen Gerät, aber auch einer ständigen Übung seitens der Mannschaften. Um beides ist die Wehr ständig bemüht.

Der "vorbeugende Brandschutz" ist eine der Hauptaufgaben der Wehr. In Abständen werden besonders gefährdete Gebäude und Einrichtungen besichtigt. Es werden dort Alarmübungen, auch mit Hilfe unserer Nachbarwehren durchgeführt, um einen größtmöglichen Schutz im Ernstfall zu gewähren.

Zum Abschluss meiner allgemeinen Ausführungen möchte ich meinen Vorgänger im Amt des Schriftführers und Kassierers, den Kameraden Ernst Bauerochse, zitieren.

Anlässlich der Berichterstattung zum 60jährigen Jubiläum im Jahre 1953 schreibt er:

"Dass die Feuerwehr imstande war, ihre Pflicht zu tun, verdankt sie ihrer praktischen Ausbildung und nicht zuletzt dem Geist, der in ihr herrscht.

Wenn in den Apriltagen des Jahres 1945 auch das Militärische mit der allgemeinen Auflösung von preußischer Disziplin und Ordnung schwand, so wollen wir hoffen, dass die verlorenen Werte auch den uniformierten Feuerwehren zurückgegeben werden.

Weiter sind noch zwei Eigenschaften in der Wehr vorhanden, die ihren Anteil zu allem Gelingen beigetragen haben: Es sind dies der Humor und der Appetit. Humor kann man auch mit Kameradschaft gleichsetzen. Appetit insofern, als schon früher zum Schläuchenwaschen - also nach getaner Arbeit - ein paar Pfund Essbares und bestimmtes Trinkbares dazugehörte und heute nicht weniger geworden ist.

Im Zusammenwirken von technischer Ausrüstung und praktischer Ausbildung möge es uns vergönnt sein, auch fernerhin dem verzehrenden Element erfolgreich entgegen zu treten.

Und wenn, was wir nicht hoffen wollen, es sich wieder einmal zur Katastrophe auszuwirken droht, so sind wir über unsere Ortsgrenzen hinaus durch die Bande kameradschaftlicher Verbundenheit und Nächstenliebe zu gegenseitiger Hilfeleistung bereit."

Den Ausführungen ist auch heute nichts hinzuzufügen.

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